Der Tanz um den Roland

In den Jahrbüchern für die Landeskunde der Herzogthümer Schleswig, Band 6, Jahrgang 1863 wird über Traditionen und Legende verschiedener Orte berichtet u.a. zu Bramstedt. Damit wird belegt, dass es auch 1863 schon Tradition der Fleckensgilde war, um den Roland zu tanzen. Die Fleckensgilde wird hier auch als solche bezeichnet, wenngleich das Gründungsjahr falsch bzw. nach dem im Rolandseck eingemauerten J.F.D.-Stein angegeben wird, der diese Jahreszahl aufweist. Lange hielt man das für das Gründungsdatum der Gilde, bis spätere Forschungen diesen Stein als Grenzstein des J(ügren) F(uhlen)D(orf) erkannten.

„126. Die Fahrt und der Tanz um den Roland.

In Bramstedt geht die Sage, daß sich der Roland bei dem Glockenschlage, der die Mitternacht verkündet, umdrehe. Noch jetzt hört man zuweilen in später Gesellschaft die scherzhafte Mahnung zum Aufbruch: „Nun ist es zwölf, jetzt dreht sich der Roland um!“

Auch war es ein alter, jetzt ziemlich abgekommener Brauch, daß jede Braut, die von einem fremden Orte nach Bramstedt verheirathet wurde, sammt ihrem mitgebrachten Brautgute erst dreimal um den Roland gefahren wurde, ehe sie in das Haus ihres zukünftigen Ehemannes einzog.

Außerdem besteht in Bramstedt noch der s. g. Rolandstanz, Dieser Tanz wird von der im Jahr 1674 gegründeten Fleckensgilde alle Jahre am Dienstag nach Pfingsten genau bei Sonnenuntergang (warum gerade zu dieser Zeit, ist unbekannt) abgehalten. Bei dieser Gelegenheit wandern alle versammelten Gildemitglieder mit ihren Frauen am Arme in einem langen Zuge, unter dem Klange rauschender Musik und unter Anführung des Kirchspielvogtes als Ortsobrigkeit, vom Versammlungslokal nach der Rolandssäule, um welche sich der ganze Zug im muntern Tanze dreimal bewegt. Nach beendigtem dreimaligem Rundtanze kehrt die ganze Festgesellschaft wieder ins Gildehaus zurück, um dort den festlichen Jahres- (Abrechnungs-) Tag mit Tanz, Gefang und Spiel zu beenden. Die leidigen Vorurtheile der Gegenwart haben in den letzten Jahren diesen Rolandstanz mehr zu einem Rolandsgange umgewandelt und drängen dahin, denselben wo möglich, als für unsere Zeit unpassend, ganz einzustellen.

Im Flecken Wedel war es gleichfalls vor Zeiten üblich, den Roland zu umfahren, um sich dadurch vor kommendem Unheil zu behüten.

H. Zöpfl, die Rulands-Säule S. 215 und 203; der Verf. fügt hinzu: „Das Umfahren der Rulandssäule entspricht genau dem in Bayern noch üblichen St. Leonhards fahren; es war somit der Roland dem heil. Leonhard substituirt; da aber der Letztere selbst an die Stelle eines der großen heidnischen Götter gesetzt wurde, so liegt hierin zugleich eine Andeutung über den Zusammenhang dieser An des Rulands-Cultus mit einem uralten heidnisch-germanischen Göttercultus,“

Ueber das Spiel des Rolandsreiten s. vgl. S. H. L. Jahrb. V, S. 145—152