Historie

(Wi schriewt düt op Hochdütsch, damit dat ook int Internet verstahn ward.)

Die Bramstedter Fleckensgilde von 1560 geht zurück auf eine schon seit dem Mittelalter bestehende Gilde im holsteinischen Bramstedt. Das Jahr 1560 ist aus dem ersten urkundlichen Nachweis abgeleitet, die Gilde selbst ist wahrscheinlich älteren Datums. Die Gilde hat ihr Gründungsjahr mit immer neuen Fundstücken mehrfach zurückdatieren können (s.u.).
Das Datum 1560 wird von der Gilde – bis zum Beweis eines früheren Bestehens – als Grundlage für ihre Jubiläumsfeiern genommen. So fand 2010 die 450-Jahrfeier statt mit einer Veranstaltung im Theater des Kurhaus., die ein voller Erfolg wurde. Segeberger Zeitung, Bad Bramstedter Anzeiger und Bramstedter Umschau berichteteten.

Neben dieser Gildetradition pflegt sie insbesondere die Erinnerung an den Bramstedter Kampf gegen die Leibeigenschaft Ende des 17. Jahrhunderts – Bramstedter Freiheitskampf genannt. Dieser steht unmittelbar mit dem Namen Jürgen Fuhlendorf in Verbindung, dem Fleckensvorsteher in der Zeit dieser Bedrängnis.
Er schrieb seine Memoiren auf und Anfang des 20. Jahrhunderts schrieb der Heimatforscher August Kühl ein Theaterstück zu diesen Ereignissen unter dem Titel Edelmann un Buern, das 1908 uraufgeführt wurde und 1924, 1938, 1949, 2007 und 2010 neue Aufführungen fand.

Aus diesem Anlass findet am Dienstag nach Pfingsten der Tanz um den Roland statt. Mit Ansprachen und dem Singen des Bramstedter Liedes und der ersten Strophe des Schleswig-Holstein Liedes.

Einer für alle – alle für einen

Im Jahre 1685 gelang es den Bramstedtern unter der tatkräftigen Führung ihres Fleckenvorstehers Jürgen Fuhlendorf, ihre Freiheit zu behaupten.
rolk1748Der dänische König Friedrich III – in Personalunion Herzog von Holstein – war durch den 30jährigen Krieg und die nachfolgenden Kriege in Geldnot geraten. Er verpfändete deshalb im Jahre 1665 u. a. auch den Flecken Bramstedt für 14.000 Taler. Darüber wurden zwei Pfandbriefe ausgestellt. Die Besitzer dieser Pfandbriefe hatten das Recht, Abgaben (Steuern) aus Bramstedt herauszuziehen und auch gutsherrschaftliche Rechte auszuüben. Sie nutzten dies in übertriebener Weise, zum Teil brutal, aus. Diese Jahre waren für die Bramstedter, die ohnehin durch die Kriegswirren und die Lage des ortes an den Hauptkriegswegen in Holstein schwer gelitten hatten, eine Zeit der Bedrohung, Beschimpfungen, Mißhandlungen und auch der Gefängnishaft. Außerdem waren sie sehr arm geworden.

1685 kam der Baron von Kielmannsegg in den Besitz der königlichen Pfandbriefe; er war im gleichen Jahr durch Heirat der Enkelin der Wiebeke Kruse Besitzer des Bramstedter Gutes geworden. Von Kielmannsegg versuchte, die Bramstedter zu Leibeigenen zu machen – stieß aber auf entschiedene Gegenwehr! Es gelang den Bramstedtern zunächst, durch hinhaltenden Widerstand ihre Freiheit zu bewahren. Die Leibeigenschaft jedoch konnte letztlich nur durch Einlösung der Pfandbriefe, d. h. durch Aufbringung von 14.000 Talern abgewendet werden.

Wenn man bedenkt, dass 1 Taler damals etwa den Wert eines 90 kg schweren Schweines entsprach (1 Taler = 150 EUR), so kann man sich die Höhe dieser Summe leichter vorstellen. Das heißt also: Die Bramstedter (damals 69 Haushaltungen) mußten 14.000 Schweine (2.100.000 EUR) aufbringen, um die Leibeigenschaft abzuwenden, um frei zu sein!

In dieser schweren Zeit gelang es Jürgen Fuhlendorf, die Bramstedter zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammenzuschließen, in der jeder den anderen stützte und in der sich alle einig waren, für ihr Recht, für ihre Freiheit bis zum äußersten zu kämpfen. Fuhlendorf vollbrachte eine beispiellose geschichtliche Tat: Jeder opferte seinen gesamten Besitz dem Flecken Bramstedt. Davon wurde ein Teil für etwa 6.000 Taler verkauft. Der Rest des gemeinsamen Besitzes wurde zu gleichen Teilen auf 69 Haushaltungen aufgeteilt. Jede Haushaltung mußte sich verpflichten, die restlichen 8.000 Taler zu gleichen Teilen zu tilgen. (= pro Haushaltung etwa 17.400 EUR = etwa 116 Schweine!)

Die letzte Zahlungsverpflichtung wurde am 24.12.1685 unterschrieben.

Durch eine große soziale Tat konnte die Leibeigenschaft abgewendet werden! Mutig und trotzig, zäh und umsichtig hatten die Bramstedter ihr Ziel erreicht! „Einer für alle – alle für einen“ war die Losung. Eine „Bruderschaft in Not und Tod“ gab damals das ungeschriebene Gesetz heraus, das zur Erinnerung an den Kampf und Sieg des Fleckens Bramstedt für alle Zeiten wachgehalten werden soll:

„Solang de Wind weiht und de Hahn kreiht, schall de Gill an Dingsdag na Pingsten     um’n Roland danzen, wenn de Sünn ünnergeiht.“
Die Wahrung und Aufrechterhaltung dieser Tradition ist Aufgabe der „Bramstedter Fleckensgilde von 1560″. Möge dies Herzensangelegenheit aller Bürgerinnen und Bürger sein und bleiben.

De Gill schall leben!

Ansgar Schroedter                                                             Friedrich-Wilhelm Obersteller
Gildemeister                                                                              Ehrengildemeister


Sie wollen mehr zur Geschichte der Gilde wissen. Dann klicken Sie hier für das Wissen eines August Kühl und hier für den aktuelleren Stand der Bramstedter Gildenforschung. Sowie hier eine Abhandlung zur Geschichte der Bramstedter Fleckensgilde aus der Schriftenreihe der Jürgen-Fuhelndorf-Schule.


Wie die Fleckensgilde  alterte

Das erste Protokollbuch der Bramstedter Fleckensgilde nach dem 2. Weltkrieg, das 1944 beginnt weist die Bezeichnung Fuhr-. und Arbeitsgilde von 1862 auf und nimmt damit Bezug auf eine Gildesatzung aus jenem Jahre, die man in den Archiven aufbewahrte.

Die Gildefeiern /-jubiläen richteten sich jedoch nach dem Jahr 1674, da man dieses aufgrund des Steines in der Hauswand des Rolandseck (früher die Bauernstätte des Jürgen Fuhlendorf) für das Jahr hielt, in dem der Bramstedter Freiheitskampf zu datieren sei. Dieser Stein weist die Buchstaben J. F. D. auf, was für Jürgen Fuhlendorf steht.

So feierte die Gilde 1924 ein Heimatfest zum (vermeintlich) 250-jährigen und 1949 zum 275-jährigen Bestehen und auch in Protokollen und Zeitungsberichten tauchen die Jahreszahlen 1674 oder ach mal 1685 (s. oben) auf.

Fleckensgilde 1949 am Rolandseck

Fleckensgilde 1949 am Rolandseck

Die Heimatforscher der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts konnten dann allerdings nachwiesen, dass es sich bei dem Stein schlicht um einen Grenzstein handelt und keine Verbindung zu einer Gilde“gründung“ besteht.

So nahm man die Jahreszahl 1862 als belegbares Datum an.

Der Gildemeister Otto Schnepel und sein Lehrerkollege und Heimatforscher Hans Finck forschten ab Mitte der 1950er Jahre genauer nach und wurden  fündig. Hans Finck fand aus Akten des Jahres 1843 heraus, dass die Gilde nachweislich schon 1756 bestanden haben muss und so benannte sich die Gilde im April 1961 um in Bramstedter Fleckensgilde von 1756 (s Zeitungsbericht).

Dieses Datum hatte nur kurzen Bestand, denn beim Transskripieren in heutige Schreibweise eines zwischenzeitlich aufgefundenen alten Protokollbuches von 1766 stieß Hans Finck darauf, dass dort auf ältere Statuten aus dem Jahr 1688 verwiesen wird. So benannte sich die Gilde mit Beschluß vom 7.10.1964 um in Bramstedter Fleckensgilde von 1688.

Diese Jahreszahl hatte wiederum 14 Jahre Bestand. Dann stieß der Bad Bramstedter Heimatforscher Jan-Uwe Schadendorf auf einen Textstelle in der (schon 1959 veröffentlichten) Chronik von Bramstedt des Hans-Hinrich Harbeck, die bislang unbeachtet geblieben war. Sie weist für 1677 das bestehen einer Gilde nach, so dass sich die Gilde in Bramstedter Fleckensgilde von 1677 umbenannt.

Diese Jahreszahl blieb bis zum Jahre 2006 bestehen. Dann stießen Jan-Uwe Schadendorf und fast zeitgleich der Ehrengildemeister „Friedel“ Obersteller auf eine Kartei an der Universität Kiel, die zwischenzeitlich im Internet zugänglich war, die alte Urkunden auflistete. Darunter ein Eintrag aus dem Jahre 1560, der über einen Vorfall während der Abhaltung der Gilde stattfand. Damit war begründeter Anlaß  gegeben für einen weitere Rückdatierung auf Bramstedter Fleckensgilde von 1560.

Das ist noch heute gültig, obwohl sicherlich die Ursprünge der Gilde früher liegen.
Eine eigentliche Gründung wird es nicht gegeben haben, denn Gilde bezeichnete in den ganz frühen Zeiten die Zusammenkunft der Mitglieder eines Gemeinwesens, um die gemeinsamen Dinge z.B. der Feldnutzung, der Ernte etc. zu besprechen und zu regeln. Da wurde Gilde gehalten … und was dort beschlossen wurde „gildet“.
Das fand meist umlaufend in einem Haus eines der Bauern (Hufner) statt und endete mit Beköstigung und Umtrunk.

Mit dem Aufkommen obrigheitlicher Verwaltung und Herrschaft verschwand diese Form der Selbstverwaltung und die Gilden übernahmen Aufgaben, die die Obrigkeit nicht inne hatte oder die gemeinschaftlich zu organisieren waren, wie z.B. das Feuerlöschwesen.

Das ist wissenschaftlich gesehen sicherlich eine arge Verkürzung des Ursprungs der Gilden, aber beschreibt ihn einigermaßen zutreffend.