Bad Bramstedt Bramstedter Gilde schon für 1560 nachgewiesen

Heimatforscher und Gildeschreiber entdeckte neue Dokumente – Bramstedter Fleckensgilde zurückdatiert auf 1560.

urkunden_gilde_1560_400Bad Bramstedt. „Jasper Horens, dat he sich mothwilligen im gilde angestel[t] het geven III mk IIII ß“

Dieser kurze und knappe Eintrag im Brüche(=Straf)register für Bramstedt stammt aus dem Jahr 1560 und gibt den Beleg dafür, dass schon 1560 am Orte die Gilde existierte.
Man muss also dem Jasper Horens sozusagen dankbar sein, dass er sich ungebührlich während der Gildesitzung des Jahres 1560 benommen hat und so aktenkundig wurde.

Die Bramstedter Fleckensgilde von 1677 hat dies zum Anlass genommen, diesem erneuten Altersbeweis folge zu leisten und sich in Bramstedter Fleckensgilde von 1560 umzubenennen.

Das teilte d31er Gildeschreiber Jan-Uwe Schadendorf mit, der selbst an der Erforschung und Belegung dieses Datums beteiligt ist.

Am 31. Oktober tagte der Gildevorstand im Schloß und fasste den folgenden einstimmigen Beschluss, den der Gildeschreiber zu Protokoll nahm:

„Nachdem durch Urkunden aus dem Landesarchiv in Schleswig hieb- und stichfest nachgewiesen worden ist, dass die Bramstedter Fleckensgilde bereits Anno Christi 1560 bestanden hat und nachdem der Historiker Dr. Klaus Lorenzen-Schmidt dies als historisch begründet bestätigt hat, datiert der Gildevorstand die Bramstedter Fleckensgilde von 1677 auf  das Jahr 1560 zurück. Die . Gilde heißt fortan „Bramstedter Fleckensgilde von 1560″. Der Gildevorstand dankt den Gildebrüdern Friedrich-Wilhelm Obersteller, Manfred Jacobsen und Jan-Uwe Schadendorf für ihre historischen Forschungen, die dieses Ergebnis hervorbrachten. Die Bramstedter Fleckensgilde von 1560 pflegt das auf freiheitliche Selbstbestimmung gerichtete Gedankengut der Gilde und die Tradition des Fleckensbefreiers Jürgen Fuhlendorf weiter, wie es schon die Väter und Vorväter taten.“

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v.l.n.r.: Gildemeister Ansgar Schroedter, Gildeschreiber Jan-Uwe Schadendorf, Exi-Obmann Reimer Fülscher, Achtmann André Bohnensack, Öllermann Hartmuth Böttcher, 1. Jüngster Thomas Uellendal, Gildeschatzmeister Jürgen Friedrichs, 2. Jüngster Michael Eifert, Ex-Öllermann Bernd Käselau

Dem Beschluss war ein Vortrag Schadendorfs und Oberstellers vorangegangen, in dem die Umstände für das Auffinden der neuen Urkunden geschildert wurden.
Stadtarchivar Manfred Jacobsen hatte Friedel Obersteller vor einigen Wochen darauf hingewiesen, dass er in einem Buch über eine Stelle aus 1638 gestolpert sei, in der es heiße „Hans Brockstede, das er Diedtrich Moilken nebenst anderen wegen des gildes die ofen und bähne (böhne!) besichtiget in seinem hause geschlagen 6 mk“.
Das gibt einen Beleg, dass 1638 der damalige Gildemeister(?) bei der Brandschau von einem Hans Brockstedt attackiert wurde, der dafür Strafe zahlen musste. Ein Beleg für die Existenz der Gilde als Brandgilde im Jahre 1638.
Diese neue Jahreszahl und das Zitat zeigte Friedel Obersteller Ende September Jan-Uwe Schadendorf, der schon vor rund 30 Jahren die Rückdatierung der Gilde von 1688 auf 1677 herausgefunden hatte.
Schadendorf stutzte über diese Daten und meinte, es an anderer Stelle und in Zusammenhang mit noch mehr Angaben gesehen zu haben. Eine Recherche im Internet brachte dann den entscheidenden Hinweis nicht nur auf die Urkunde von 1638, sondern auf die weitere aus dem Jahr 1560.
Der Gildeschreiber forderte Abschriften der Urkunden im Landesarchiv an und war erfreut über die Erwähnung der Gilde in beiden Urkunden.
Zur Rückversicherung, die schwierig lesbare Schrift und den Inhalt nicht falsch zu lesen, wurden die Urkunden an Dr. Klaus Lorenzen-Schmidt vom Staatsarchiv in Hamburg geschickt, der der Gilde aus einem Vortrag über Wiebke Kruse bestens bekannt ist.
Lorenzen-Schmidt bestätigte den Inhalt und bekräftigte, dass diese Urkunden als Altersbeleg der Gilde einwandfrei verwendbar seien.
Die Freude über diese erneute Alterung der Gilde ist in der Fleckensgilde groß. Gildemeister Ansgar Schroedter: „In den Protokollbüchern der 50er und 60er Jahre wurde das Alter der Gilde mehrfach geändert, jeweils nach Urkundenlage. Der damalige Gildemeister Otto Schnepel schrieb schon in weiser Voraussicht ins Protokollbuch ‚bis ein weiterer Beweis gefunden wird’. Das ist jetzt der Fall und wir sind stolz, dass es gleich 117 Jahre auf einen Schlag sind.“ Die Fleckensgilde hat sich bis weit ins 20. Jahrhundert noch Fuhr- und Arbeitsgilde von 1862 genannt, nach erhalten gebliebenen Statuten aus 1862 und weil bei einem Bombenabwurf 1943 viele Unterlagen der Gilde als verschollen galten.

Mit einem zwinkernden Auge sieht die Gilde die Rückdatierung in Hinblick auf ihre Jubiläumsplanungen. Öllermann Hartmuth Böttcher: „Eigentlich wollten wir 2010 ja unser 333jähriges Jubiläum feiern. Das fällt nun flach, aber Gott sei Dank fallen nun die 450 Jahre ins gleiche Jahr.“ Und ergänzt mit verschmitzten Lächeln: „Weitere Forschungen müssen wir bis dahin wohl verbieten.“